Fashion-Fulfillment ist die Auslagerung von Lager, Versand und vor allem Retourenbearbeitung für Modemarken. Der Engpass ist die Rücksendung: Jeder Tag, den ein Teil ungeprüft im Retourenstapel liegt, fehlt es im Verkauf, und am Saisonende wird es zum Abschreibungsfall. Ein guter Partner führt jede Größe als eigene SKU, prüft und bereitet Retouren schnell auf und hat eine Antwort, was mit unverkäuflicher Ware passiert.
Auf dieser Seite
- Warum in der Mode die Retoure über die Marge entscheidet
- Größen, Farben, Varianten: jede Variante ist eine eigene SKU
- Retouren: vom Paket zurück in den verkaufsfähigen Bestand
- Retourenökonomie: was eine Mode-Retoure wirklich kostet
- Vernichtungsverbot ab Juli 2026: was mit unverkaufter Ware passieren darf
- Drops, Kollektionswechsel und Sale-Phasen
- Produktionsware richtig anliefern
- Verpackung für Mode: Beutel oder Karton?
- Kanäle: eigener Shop, Marktplätze und Wholesale
- So prüfen Sie einen Fulfillment-Partner für Mode
- Was Fashion-Fulfillment bei LogYou kostet
- Für wen wir nicht der richtige Partner sind
- Häufige Fragen
Warum in der Mode die Retoure über die Marge entscheidet
Bekleidung gehört zu den Warengruppen mit den höchsten Retourenquoten im Onlinehandel. Das zeigen seit Jahren die Erhebungen der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg. Kundinnen bestellen dieselbe Hose in zwei Größen und schicken eine zurück, das gehört zum Geschäftsmodell. Für die Logistik heißt das: Ein großer Teil der Arbeit passiert nicht beim Versand, sondern wenn das Paket zurückkommt.
Entscheidend ist dabei weniger der Preis pro Retoure als die Zeit bis zur Wiederverfügbarkeit. Ein Mantel, der im Oktober zurückkommt und drei Wochen ungeprüft im Retourenstapel liegt, verpasst die beste Verkaufszeit. Ein Sommerkleid, das Ende August zurückkommt, ist im September nur noch mit Rabatt verkäuflich. Schnelle Retourenbearbeitung ist in der Mode keine Servicefrage, sondern eine Frage der Abschreibung.
Auf dieser Seite zeigen wir, wie wir Varianten, Retouren und Saisonspitzen für Modemarken abwickeln, was eine Retoure wirklich kostet und welche neuen Pflichten seit 2026 für unverkaufte Ware gelten.
Größen, Farben, Varianten: jede Variante ist eine eigene SKU
Ein T-Shirt in fünf Farben und sechs Größen sind für den Kunden ein Produkt, im Lager aber 30 Artikel. In LogShip wird jede Variante als eigene SKU mit eigenem Barcode geführt. Daraus folgt:
- Eindeutige Barcodes: Jede Variante braucht einen eigenen EAN oder internen Barcode auf dem Etikett oder Polybeutel. Fehlt er, etikettieren wir beim Wareneingang nach.
- Scan beim Packen: Jeder Artikel wird gegen den Auftrag gescannt. Die häufigste Fehlerquelle in der Mode, benachbarte Größen, wird dabei erkannt.
- Bestand je Variante live: Ihr Shop sieht den verfügbaren Bestand je Größe. Im Kundenportal LogShip Cloud sehen Sie zusätzlich, welche offenen Aufträge wegen fehlender Größen gerade nicht lieferbar sind.
Beim Wareneingang legen Sie eine Warenanmeldung mit Artikeln und Mengen im Portal an. Wir gleichen die Lieferung beim Scan dagegen ab, fotografieren sie und melden Abweichungen über ein Ticket, das Sie im Portal sehen. Gerade bei Produktionen aus Asien mit vielen Größen ist das der Moment, in dem sich falsch gepackte Kartons zeigen.
Retouren: vom Paket zurück in den verkaufsfähigen Bestand
Jede Rücksendung durchläuft bei uns denselben Ablauf. Die Kriterien für Schritt 2 und 3 legen Sie fest:
| Schritt | Was passiert | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Annahme | Scan von Lieferschein oder Trackingnummer, Zuordnung zum Originalauftrag, Retourengrund erfassen | Retoure ist im Portal sichtbar |
| 2. Prüfung | Etiketten dran? Getragen, verschmutzt, Geruch, Make-up-Spuren? Beschädigung an Nähten oder Reißverschluss? | Einstufung verkaufsfähig oder nicht |
| 3. Aufbereitung | Neu falten, in neuen Polybeutel, fehlendes Hangtag ersetzen, Fussel entfernen | Artikel sieht aus wie neu |
| 4. Einlagerung | Buchung auf einen Lagerplatz im verkaufsfähigen Bestand | Artikel ist im Shop wieder verfügbar |
| 5. Rest | Nicht verkaufsfähige Teile separat, mit Fotos und Grund | Sie entscheiden über Outlet, Spende oder Rücksendung |
Retourengründe und Fotos werden gespeichert. Im Kundenportal sehen Sie jede Retoure mit Positionen und Bildern. Im Dashboard sehen Sie Ihre Retourenquote und die Artikel mit den meisten Rücksendungen. Wenn eine Hose in Größe 32 auffallend oft zurückkommt, sehen Sie das dort, bevor die nächste Produktion bestellt ist.
Was wir bei der Aufbereitung nicht tun: eingenähte Pflegeetiketten entfernen oder ändern. Die Angaben zur Faserzusammensetzung nach der Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 bleiben unverändert am Produkt. Mehr zum Ablauf auf der Seite Retourenmanagement und im Wiki unter Wiedereinlagerung.
Retourenökonomie: was eine Mode-Retoure wirklich kostet
Ein Rechenbeispiel mit unseren öffentlichen Preisen im Paket Wachstum: 1.000 Bestellungen im Monat, im Schnitt 1,8 Artikel pro Bestellung, und 40 % der Bestellungen kommen mit einem Teil zurück.
| Position | Rechnung | Kosten pro Monat |
|---|---|---|
| Auftragsgrundkosten | 1.000 × 1,90 € | 1.900,00 € |
| Pick & Pack | 1.800 Artikel × 0,45 € | 810,00 € |
| Verpackung | 1.000 × 0,32 € | 320,00 € |
| Retouren inkl. Sichtprüfung | 400 × 2,25 € | 900,00 € |
| Aufbereitung für jedes vierte Retourenteil | 100 Teile × 3 Min. × 50 €/h | 250,00 € |
| Paketpreis Wachstum | 199,99 € | |
| Summe | ohne Porto, Wareneingang, Lagerung | 4.379,99 € |
Die Retouren machen hier mehr als ein Viertel der Fulfillment-Kosten aus. Interessanter ist aber die andere Seite: 400 zurückgeschickte Teile bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 60 € sind 24.000 € Warenwert. Liegen sie zwei Wochen statt zwei Tage, fehlen sie genau dann im Verkauf, wenn die Nachfrage noch da ist.
Die günstigste Retoure ist die, die nicht passiert. Größentabellen mit echten Maßen, Passform-Hinweise aus den Retourengründen und Fotos am Model mit Größenangabe senken die Quote spürbar. Welche Hebel wirken, beschreibt der Ratgeber Retourenquote senken.
Vernichtungsverbot ab Juli 2026: was mit unverkaufter Ware passieren darf
Zwei Regeln verändern, was Modemarken mit Retouren und Überbeständen tun dürfen (Stand September 2026, keine Rechtsberatung):
- Obhutspflicht nach § 23 Kreislaufwirtschaftsgesetz: Seit 2020 müssen Hersteller und Händler in Deutschland dafür sorgen, dass Erzeugnisse gebrauchstauglich bleiben und nicht zu Abfall werden. Die Vernichtung neuwertiger Retouren ist damit rechtfertigungsbedürftig.
- EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR, (EU) 2024/1781): Seit dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen unverkaufte Bekleidung, Bekleidungszubehör und Schuhe grundsätzlich nicht mehr vernichten. Für mittlere Unternehmen gilt das Verbot später, kleine und Kleinstunternehmen sind ausgenommen. Große Unternehmen müssen außerdem offenlegen, wie viel unverkaufte Ware sie entsorgen und warum.
Für die Logistik bedeutet das: Nicht verkaufsfähige Retouren und Restposten brauchen einen geplanten Weg, der nicht „Entsorgung“ heißt. Bei uns werden diese Teile separat geführt, mit Grund und Fotos. Sie entscheiden, ob sie in ein Outlet, einen Sample Sale, an einen Restpostenhändler, in eine Spende oder zurück an Sie gehen. Die Dokumentation in LogShip zeigt nachvollziehbar, was mit jedem Teil passiert ist.
Drops, Kollektionswechsel und Sale-Phasen
Mode hat keinen gleichmäßigen Bestellverlauf. Ein Drop kann in einer Stunde so viele Bestellungen bringen wie sonst eine Woche, der Sale im Januar verdoppelt die Retouren aus dem Dezember. So bereiten wir Spitzen vor:
- Vorab-Meldung: Sie nennen uns Termin, erwartete Bestellmenge und Artikel des Drops, idealerweise zwei Wochen vorher.
- Einlagerung vor dem Launch: Die Ware muss eingebucht sein, bevor der Drop live geht. Sonst sind Bestellungen ab der ersten Minute nicht lieferbar.
- Kapazität am Launch-Tag: Wir planen Personal für den Tag, an dem die Bestellungen einlaufen, und die Tage danach.
- Kollektionswechsel: Auslaufende Artikel können gesammelt ausgelagert, an ein Outlet geliefert oder separat geführt werden, damit neue Ware Platz hat.
Für Black Friday und Weihnachten beginnt die Planung im September. Mehr dazu im Wiki unter Peak-Saison Q4.
Produktionsware richtig anliefern
Die meisten Probleme mit Modeware entstehen, bevor das erste Paket rausgeht: Kartons mit gemischten Größen, fehlende Barcodes, Polybeutel ohne Größenangabe. Je sauberer die Produktion anliefert, desto schneller ist die Kollektion verkaufsbereit. Unsere Empfehlung für Ihre Lieferanten:
- Ein Artikel pro Karton: Jede Größe und Farbe in eigene Kartons, außen beschriftet mit Artikelnummer, Größe, Farbe und Menge.
- Barcode auf jedem Teil: EAN auf Hangtag oder Polybeutel, gut lesbar und nicht verdeckt.
- Packliste zur Lieferung: Welche Kartons welche Artikel enthalten, idealerweise digital.
- Warenanmeldung im Portal: Sie legen die Lieferung vorab in LogShip Cloud an. Wir gleichen beim Scan Soll und Ist ab.
Fehlen Barcodes, etikettieren wir beim Wareneingang nach, das wird nach Aufwand berechnet. Abweichungen wie fehlende Größen oder falsche Farben melden wir mit Fotos über ein Ticket, das Sie im Portal sehen. So haben Sie die Belege für die Reklamation beim Lieferanten.
Verpackung für Mode: Beutel oder Karton?
Textilien sind selten zerbrechlich, aber voluminös. Die Wahl der Versandverpackung wirkt deshalb direkt auf die Kosten. Ein weicher Pullover im zu großen Karton kostet mehr Porto als nötig, Stichwort Volumengewicht. Wir stimmen die Verpackung pro Artikelgruppe mit Ihnen ab:
| Ware | Übliche Verpackung | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| T-Shirts, Wäsche, Accessoires | Versandbeutel oder kleiner Karton | kleinste passende Größe wählen |
| Pullover, Hosen, Kleider | Karton in passender Größe | Faltung, damit die Ware ohne Knicke ankommt |
| Schuhe | Schuhkarton im Versandkarton | Schuhkarton unbeschädigt lassen, er gehört zum Produkt |
| Jacken, Mäntel | größerer Karton | nicht quetschen, Porto im Blick behalten |
Die Kartongröße wird bei jeder Sendung per Scan erfasst. Daraus ergeben sich die Verbrauchsdaten je Verpackungstyp, die Sie für Ihre Meldung nach dem Verpackungsgesetz brauchen. Mit der EU-Verpackungsverordnung PPWR kommen weitere Vorgaben, etwa zum Leerraum in Versandverpackungen ab 2030. Mehr dazu im Beitrag PPWR 2026 für Onlinehändler und im Ratgeber Verpackung & Branding.
Kanäle: eigener Shop, Marktplätze und Wholesale
Die meisten Modemarken verkaufen über den eigenen Shop, mindestens einen Marktplatz und an stationäre Händler. Bei uns laufen alle Kanäle aus einem Bestand:
- Eigener Shop: Shopify und Shopware sind fertig angebunden, ebenso die Warenwirtschaften JTL, PlentyONE und Xentral.
- Marktplätze: Amazon und eBay sind fertig angebunden. Für Zalando, About You und Otto haben wir keine fertige Anbindung. Aufträge aus diesen Kanälen kommen über Ihr ERP, per API oder CSV zu uns.
- Wholesale: Lieferungen an Händler und Concept Stores gehen als Paket oder Palette raus, mit Lieferschein und auf Wunsch mit den Etiketten Ihres Handelspartners, die beim Packen automatisch gedruckt werden. Mehr unter B2B-Fulfillment.
So prüfen Sie einen Fulfillment-Partner für Mode
- Wird jeder Artikel beim Packen gescannt, oder nur der Auftrag?
- Wie viele Tage vergehen von der Ankunft einer Retoure bis zur Wiederverfügbarkeit im Shop, gemessen und nicht versprochen?
- Nach welcher Checkliste wird geprüft, und können Sie die Kriterien selbst festlegen?
- Was kostet Aufbereitung, und wie wird sie abgerechnet?
- Was passiert mit nicht verkaufsfähiger Ware, und wie ist das dokumentiert?
- Wie werden Drops und Kollektionswechsel geplant?
- Welche Marktplätze sind fertig angebunden, welche nur über Umwege?
- Wie werden Abweichungen beim Wareneingang gemeldet, etwa falsche Größen im Karton?
Was Fashion-Fulfillment bei LogYou kostet
Es gelten unsere öffentlichen Preise. Für reinen D2C-Versand reicht das Paket Start für 99 € im Monat. Sobald Sie an Händler liefern oder Sets konfektionieren lassen, brauchen Sie Wachstum für 199,99 €. Ab etwa 300 Bestellungen im Monat ist Wachstum ohnehin günstiger, weil die Vorgangspreise sinken. Das Rechenbeispiel oben zeigt die Größenordnung, Ihre eigenen Zahlen rechnen Sie auf der Seite Fulfillment-Kosten berechnen nach. Wareneingang (4 bis 15 € je Palette), Lagerung (8 bis 25 € je Palettenstellplatz und Monat) und Porto zum Carrier-Einkaufspreis kommen dazu.
Für wen wir nicht der richtige Partner sind
Unser Lager ist auf gefaltete Ware ausgelegt. Hängeware auf Bügeln, etwa für Anzüge oder Brautmode, ist nicht unser Standard. Individuelle Veredelung wie Bestickung, Druck oder Gravur bieten wir nicht an. Und wenn Ihr Sortiment im Wesentlichen aus Einzelstücken mit Fotoshooting pro Retoure besteht, etwa bei Vintage oder Second Hand, brauchen Sie einen spezialisierten Partner. Das sagen wir Ihnen im Erstgespräch offen.