OTIF (On Time In Full) ist die Liefertreue-Kennzahl: der Anteil der Aufträge, die sowohl zum zugesagten Termin (On Time) als auch vollständig in Menge und Artikel (In Full) geliefert wurden. Ein Auftrag zählt nur, wenn beide Bedingungen erfüllt sind.
Auf dieser Seite
Was ist OTIF?
OTIF steht für On Time In Full und ist die klassische Kennzahl für Liefertreue. Sie prüft zwei Dinge gleichzeitig: Kam die Lieferung zum zugesagten Termin an (On Time), und enthielt sie alles, was bestellt war, in der richtigen Menge (In Full)? Nur wenn beides zutrifft, zählt der Auftrag als erfüllt.
Der Begriff stammt aus dem stationären Handel und der Industrie, wo Abnehmer wie Handelsketten ihren Lieferanten feste Anlieferfenster vorgeben und OTIF-Werte im Liefervertrag festschreiben. Im B2B-Fulfillment ist OTIF deshalb häufig eine Vertragskennzahl mit Strafzahlungen bei Unterschreitung. Im E-Commerce dient sie als schlankere Vorstufe der Perfect Order Rate, die zusätzlich Unversehrtheit und Dokumente prüft.
Wie OTIF berechnet wird
OTIF = Aufträge pünktlich UND vollständig / alle Aufträge × 100
Weil beide Bedingungen gemeinsam gelten müssen, verhält sich OTIF multiplikativ. Sind Pünktlichkeit und Vollständigkeit voneinander unabhängig, gilt näherungsweise:
OTIF ≈ Quote On Time × Quote In Full
| Quote On Time | Quote In Full | OTIF (näherungsweise) |
|---|---|---|
| 99,0 % | 99,0 % | 98,0 % |
| 97,0 % | 98,0 % | 95,1 % |
| 95,0 % | 95,0 % | 90,3 % |
| 99,5 % | 99,5 % | 99,0 % |
Zwei Werte, die einzeln „fast perfekt“ aussehen, ergeben zusammen einen OTIF, bei dem jede zwanzigste Lieferung beanstandet wird. In der Praxis zählt man deshalb direkt auf Auftragsebene, weil Verspätung und Fehlmenge oft dieselbe Ursache haben (etwa ein fehlender Artikel, der den ganzen Auftrag aufhält).
Wichtig ist die Definition von „On Time“: im B2B meist ein Zeitfenster am vereinbarten Tag, im E-Commerce das im Checkout zugesagte Zustelldatum oder die kommunizierte Lieferzeit. Und von „In Full“: alle Positionen in voller Menge, ohne Teillieferung und ohne Ersatzartikel.
Typische Zielwerte:
- B2B-Handel (Ketten, Großhandel): 95 bis 98 % vertraglich gefordert, teils mit Bonus-Malus-Regelung
- E-Commerce-Fulfillment: 96 bis 99 % erreichbar
- Seller Fulfilled Prime: Pünktlichkeitsanforderungen deutlich über 95 %, sonst Verlust des Prime-Status
Einflussfaktoren
On Time leidet unter später Cut-Off-Zeit-Verarbeitung, Kapazitätsengpässen im Peak, Carrier-Verzögerungen und falschen Lieferzusagen im Shop. In Full leidet unter Bestandsdifferenzen (der Shop verkauft, was das Lager nicht hat), zu knappem Sicherheitsbestand, verspätetem Nachschub und Pick-Fehlern. Im B2B kommen Anlieferbedingungen des Empfängers hinzu: falsche Palettierung oder fehlendes Lieferavis führen zur Abweisung an der Rampe, die als OTIF-Verlust zählt.
Teillieferungen als „On Time“ zu werten, weil der erste Teil pünktlich war. Für OTIF zählt der Auftrag als Ganzes: Wer 9 von 10 Positionen rechtzeitig liefert, hat einen Fehler, nicht 90 % Erfolg. Genau diese Rechnung wenden Handelsketten an, wenn sie Vertragsstrafen berechnen.
Warum OTIF für Onlinehändler wichtig ist
Im B2B-Geschäft entscheidet OTIF direkt über Geld: Handelspartner berechnen bei Unterschreitung pauschale Abzüge je Lieferung, und wiederholte Verstöße kosten die Listung. Im B2C übersetzt sich ein schwacher OTIF in Serviceanfragen, Stornos und schlechte Bewertungen, bei Marktplätzen zusätzlich in Ranking-Verluste. Wer beide Kanäle aus einem Lager bedient (Multichannel-Fulfillment), sollte OTIF je Kanal getrennt ausweisen. Weitere Kennzahlen im Zusammenhang finden Sie im Überblick Fulfillment-Kennzahlen.
So verbessern Sie OTIF
- Bestandsgenauigkeit sichern: Live-Bestand vom WMS in den Shop, nicht umgekehrt; regelmäßige permanente Inventur.
- Lieferzusagen aus der Realität ableiten: Cut-Off, Carrier-Laufzeit je Region und Peak-Puffer im Checkout abbilden.
- Sicherheitsbestand für A-Artikel: lieber ein paar Tage Reichweite mehr als ein Fehlbestand im Bestseller.
- B2B-Anlieferbedingungen im System hinterlegen: Palettierung, Etiketten, Avis-Pflicht je Empfänger.
- OTIF im SLA vereinbaren und monatlich aus dem System berichten lassen.
Analysieren Sie jeden OTIF-Verlust nach Ursache: Lager, Bestand, Carrier oder Zusage. In den meisten Lagern stammen über die Hälfte der Verluste aus einer einzigen Kategorie, und das ist selten die Kommissionierung.
So macht es LogYou
LogYou bedient B2C- und B2B-Aufträge aus demselben Bestand in LogShip: Bestellungen bis 14 Uhr gehen am selben Tag raus, Live-Bestände verhindern Überverkäufe, und für B2B-Empfänger werden Anlieferbedingungen und Avis-Regeln je Kunde hinterlegt. Details unter B2B-Fulfillment und E-Commerce Fulfillment.
Häufige Fragen zu OTIF
Was bedeutet OTIF?
Wie wird OTIF berechnet?
Welcher OTIF-Wert ist gut?
Fragen zu OTIF in Ihrem Shop?
Wir verschicken seit 2014 täglich Pakete für E-Commerce-Marken. Sagen Sie uns Pakete pro Tag und Shop-System — wir antworten mit einer konkreten Einschätzung.