FEFO (First Expired, First Out): Bestandssteuerung nach Ablaufdatum im Lager

FEFO (First Expired, First Out) steuert im Fulfillment die Entnahme nach Mindesthaltbarkeitsdatum. Ablauf im WMS, Unterschied zu FIFO und für welche Ware es Pflicht ist.

FEFO — kurz erklärt

FEFO (First Expired, First Out) ist ein Lagerprinzip, bei dem die Ware mit dem frühesten Ablaufdatum zuerst ausgelagert wird – unabhängig davon, wann sie eingelagert wurde. Es ist der Standard für Lebensmittel, Kosmetik und Nahrungsergänzung mit Mindesthaltbarkeitsdatum.

Was ist FEFO?

FEFO – First Expired, First Out – ist die Weiterentwicklung von FIFO für Ware mit Ablaufdatum. Nicht das Eingangsdatum entscheidet über die Reihenfolge der Entnahme, sondern das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder Verbrauchsdatum. Die Einheit, die als erste abläuft, wird als erste kommissioniert.

Der Unterschied klingt akademisch, ist im Alltag aber entscheidend: Ein Hersteller liefert im Mai eine Charge mit MHD Dezember und im Juni eine Charge mit MHD Oktober – etwa weil der Lieferant selbst Restbestände abverkauft. Nach FIFO würde die Mai-Ware zuerst gehen und die Oktober-Charge im Regal altern. Nach FEFO verlässt die Oktober-Charge zuerst das Lager. FEFO ist deshalb Pflicht für alles, was ein Ablaufdatum trägt: Lebensmittel, Nahrungsergänzung, Kosmetik, Tierfutter, Pflanzenschutz und viele Medizinprodukte.

Wie FEFO im Fulfillment funktioniert

Voraussetzung ist ein WMS, das das MHD nicht auf Artikelebene, sondern pro Bestandsposition führt. Der Prozess:

  1. Erfassung im Wareneingang: Beim Wareneingang wird je Lieferung und Charge das MHD erfasst – idealerweise per Scan des Chargen-Barcodes, sonst manuell nach Sichtprüfung. Mischpaletten mit mehreren MHDs werden getrennt gebucht.
  2. Getrennte Lagerplätze: Positionen mit unterschiedlichem MHD liegen auf unterschiedlichen Lagerplätzen oder zumindest in getrennten Behältern, damit der Picker eindeutig zugreifen kann.
  3. Reservierung nach Ablaufdatum: Bei jeder Bestellung sortiert das WMS die verfügbaren Positionen einer SKU aufsteigend nach MHD und reserviert die früheste.
  4. Sperrgrenze: Unterschreitet eine Position die hinterlegte Mindestrestlaufzeit, wird sie automatisch für den Verkauf gesperrt und gemeldet.
  5. Kontrolle beim Pick: Der Scan von Lagerplatz oder Chargenlabel bestätigt, dass die richtige Position entnommen wurde.
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Häufiger Fehler

Ein MHD pro Artikel statt pro Charge. Viele Shop- und ERP-Systeme haben nur ein Datumsfeld am Artikel. Wird das ins Lager übernommen, sieht das WMS bei drei Chargen dasselbe Datum und FEFO läuft ins Leere. Das MHD muss beim Wareneingang je Lieferung erfasst werden, nicht aus dem Artikelstamm kommen.

Warum FEFO für Onlinehändler wichtig ist

Für Endkunden ist die Restlaufzeit ein Qualitätsmerkmal. Wer ein Nahrungsergänzungsmittel mit vier Wochen Resthaltbarkeit erhält, retourniert oder bewertet schlecht – auch wenn das Produkt einwandfrei ist. Handelsübliche Erwartung im deutschen Onlinehandel ist, dass beim Kunden mindestens ein Drittel bis die Hälfte der Gesamtlaufzeit verbleibt; B2B-Abnehmer und Marktplätze verlangen häufig zwei Drittel oder feste Mindestwerte.

Wirtschaftlich reduziert FEFO den Abschreibungsbedarf: Jede Einheit, die wegen Ablauf entsorgt wird, hat Einkaufspreis, Wareneingang und monatliche Lagergebühren gekostet. In Sortimenten mit kurzen Laufzeiten – frische Snacks, Naturkosmetik ohne Konservierung – entscheidet die Entnahmereihenfolge direkt über die Marge. Ergänzend hilft ein realistischer Sicherheitsbestand: Wer zu viel MHD-Ware bevorratet, verliert sie durch Ablauf statt durch Verkauf.

FEFO-Regeln, die sich in der Praxis bewährt haben

  • Mindestrestlaufzeit je Kanal: Endkunden 60 bis 90 Tage, B2B-Kunden und Amazon nach deren Vorgaben, Abverkaufsaktionen darunter.
  • Sperrbestand sichtbar machen: Gesperrte Positionen sollten im Kundenportal als eigener Status erscheinen, nicht als „nicht verfügbar".
  • Charge auf dem Lieferschein: Charge und MHD je Position auf dem Lieferschein machen Rückrufe und Reklamationen nachvollziehbar – siehe Chargenverfolgung.
  • Retouren gesondert prüfen: Zurückkommende MHD-Ware wird gegen die Sperrgrenze geprüft, bevor sie wieder eingelagert wird.
Tipp aus der Praxis

Definieren Sie mit dem Dienstleister eine Meldung, sobald eine Position 30 Tage vor der Sperrgrenze steht. Dann bleibt Zeit für eine Rabattaktion oder ein Bundle, statt die Ware zu entsorgen.

So handhabt LogYou FEFO

LogShip führt MHD und Charge je Bestandsposition und reserviert bei MHD-Artikeln automatisch nach FEFO. Pro Artikel lässt sich eine Mindestrestlaufzeit hinterlegen, unterhalb derer Bestand gesperrt und im Kundenportal gekennzeichnet wird. Temperaturempfindliche MHD-Ware liegt im Klima-Lager. Mehr dazu unter MHD-, Chargen- & Seriennummern-Tracking und im Artikel MHD, Chargen und Seriennummern im Fulfillment.

Häufige Fragen zu FEFO

Was bedeutet FEFO?
FEFO steht für First Expired, First Out: Die Einheit mit dem kürzesten verbleibenden Mindesthaltbarkeitsdatum wird zuerst kommissioniert. Das WMS vergleicht dafür bei jeder Bestellung die Ablaufdaten aller Bestandspositionen einer SKU und reserviert die früheste.
Wann brauche ich FEFO statt FIFO?
Sobald Ihre Artikel ein MHD oder Verbrauchsdatum tragen. Bei FIFO könnte eine später gelieferte Charge mit kürzerem MHD im Regal bleiben, während ältere, aber länger haltbare Ware verschickt wird. FEFO verhindert genau das und hält die Restlaufzeit beim Kunden maximal.
Kann FEFO eine Mindestrestlaufzeit garantieren?
Ja, wenn das WMS eine Sperrgrenze pro Artikel kennt. Legen Sie fest, dass Ware mit weniger als beispielsweise 60 Tagen Restlaufzeit nicht mehr an Endkunden geht, sperrt das System diese Positionen automatisch und meldet sie zur Abverkaufsaktion oder Entsorgung.

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