Klima-Lager: Temperatur- und feuchtegeführte Lagerung für sensible Produkte

Klima-Lager im Fulfillment: Welche Temperatur und Luftfeuchte Kosmetik, Lebensmittel, Nahrungsergänzung, Wein und Schokolade brauchen und was das kostet.

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Klima-Lager — kurz erklärt

Ein Klima-Lager ist ein Lagerbereich, in dem Temperatur und relative Luftfeuchte ganzjährig in einem definierten Band gehalten und dokumentiert werden – typischerweise 15 bis 25 °C und 40 bis 60 % Luftfeuchte. Es ist nötig für Kosmetik, Lebensmittel, Nahrungsergänzung, Wein und Schokolade, deren Haltbarkeit nur unter diesen Bedingungen gilt.

Was ist ein Klima-Lager?

Ein Klima-Lager ist ein abgetrennter Lagerbereich, in dem Temperatur und relative Luftfeuchte ganzjährig in einem definierten Band gehalten, kontinuierlich gemessen und dokumentiert werden. In einer normalen Logistikhalle steigt die Temperatur im Sommer unter dem Dach auf über 35 °C; im Klima-Lager herrschen konstant 15 bis 25 °C bei 40 bis 60 % Luftfeuchte – oder ein engeres Band, wenn das Produkt es verlangt.

Abzugrenzen ist das Klima-Lager vom Kühllager (2 bis 8 °C) und vom Tiefkühllager (unter minus 18 °C), die eine geschlossene Kühlkette bis zum Kunden erfordern. Klima-Ware braucht dagegen „nur" geschützte Lagerung und einen Versand, der Hitzephasen berücksichtigt. Der Grund: Das MHD eines Produkts gilt nur unter den vom Hersteller angegebenen Lagerbedingungen. Wer Nahrungsergänzung einen Sommer bei 35 °C lagert, verkauft danach Ware, deren Wirkstoffgehalt nicht mehr dem Etikett entspricht.

Welche Bedingungen typische Produktgruppen brauchen

ProduktgruppeTemperaturLuftfeuchteWas bei Abweichung passiert
Kosmetik, Naturkosmetik15–25 °C, keine Frostgrenze unterschreiten40–60 %Emulsionen trennen sich, Wirkstoffe und Düfte bauen ab, Pflanzenöle werden ranzig
Nahrungsergänzung, Vitamine15–25 °Cunter 60 %Wirkstoffverlust, Kapseln verkleben, Pulver verklumpen, Probiotika sterben ab
Trockene Lebensmittel (Tee, Kaffee, Müsli, Nüsse)15–20 °Cunter 65 %Aromaverlust, Fettoxidation, Schimmel- und Schädlingsrisiko
Schokolade, Pralinen15–18 °C50–65 %Fettreif ab etwa 20 °C (grauer Schleier), Zuckerreif bei Feuchte, Aromaverlust
Wein10–15 °C, konstant60–75 %Schnelle Alterung bei Wärme, Korken trocknet bei zu niedriger Feuchte aus

Für die meisten Sortimente reicht ein Band von 15 bis 25 °C. Wein und Schokolade brauchen ein kühleres, engeres Band – fragen Sie den Dienstleister nach der tatsächlich gehaltenen Temperatur.

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Häufiger Fehler

„Trocken und kühl lagern" wird mit einer normalen Halle verwechselt, weil sie im Frühjahr angenehm temperiert ist. Der Schaden entsteht in den Hitzewochen im Juli und August – und fällt erst auf, wenn im Oktober Beschwerden über ranzige Cremes oder graue Schokolade eingehen.

Wie ein Klima-Lager im Fulfillment betrieben wird

Die Klimatisierung selbst ist der kleinere Teil; entscheidend ist die Prozessintegration:

  1. Artikelstamm: Jeder Artikel ist als klima-pflichtig gekennzeichnet. Das WMS lässt ihn nur auf Lagerplätze in der Klimazone einlagern.
  2. Wareneingang: Klima-Ware wird bevorzugt vereinnahmt, nicht stundenlang im Wareneingang geparkt, und auf Hitzeschäden aus dem Transport geprüft.
  3. Messung und Dokumentation: Sensoren zeichnen Temperatur und Feuchte kontinuierlich auf, mit Alarm bei Bandverletzung. Die Aufzeichnung ist im Rückruffall zusammen mit der Chargenverfolgung der Nachweis sachgerechter Lagerung.
  4. Kommissionierung: Klima-Ware wird nach FEFO gepickt und kurz vor Versand verpackt.
  5. Versand mit Hitzeschutz: Im Sommer Isolierverpackung oder Kühlelemente für Schokolade und empfindliche Kosmetik, gegebenenfalls Versandstopp vor Wochenenden.

Warum das Klima-Lager für Onlinehändler wichtig ist

Der direkte Effekt ist die Retourenquote: Verformte Pralinen, getrennte Cremes oder verklumptes Proteinpulver kommen zurück oder führen zu Erstattungen ohne Rücksendung – die teuerste Form der Retoure. Der indirekte Effekt ist die Haftung: Für Lebensmittel und Kosmetik ist der Inverkehrbringer verantwortlich, dass das Produkt bis zum MHD den Angaben entspricht. Ohne dokumentierte Lagerbedingungen lässt sich im Streitfall nicht belegen, dass der Fehler nicht in der Lagerung lag.

Der Aufpreis für klimatisierte Stellplätze – typischerweise 20 bis 50 % über dem Standardsatz – ist dagegen gering: Bei 20 Paletten 60 bis 150 € im Monat, während eine verdorbene Charge Naturkosmetik ein Vielfaches kostet.

Tipp aus der Praxis

Lassen Sie sich vor Vertragsschluss die Temperaturkurve der letzten zwölf Monate zeigen, nicht nur die Zusicherung. Ein Lager, das im August dauerhaft unter 25 °C bleibt, ist der Beweis, den Sie brauchen.

So handhabt LogYou sensible Ware

LogYou betreibt in Butzbach ein Klima-Lager für temperatur- und feuchteempfindliche Produkte, getrennt vom Standardlager. Klima-pflichtige Artikel werden in LogShip gekennzeichnet, nach FEFO kommissioniert und mit MHD- und Chargen-Tracking geführt. Mehr unter Lagerlogistik & Wareneingang und MHD-, Chargen- & Seriennummern-Tracking.

Häufige Fragen zu Klima-Lager

Was ist der Unterschied zwischen Klima-Lager und Kühllager?
Ein Klima-Lager hält einen moderaten Temperaturbereich um Raumtemperatur (meist 15 bis 25 °C) und begrenzt die Luftfeuchte. Ein Kühllager arbeitet bei 2 bis 8 °C, ein Tiefkühllager bei minus 18 °C und darunter. Kühl- und Tiefkühlware braucht zudem eine lückenlose Kühlkette bis zum Kunden, Klima-Ware nur geschützte Lagerung und im Sommer gegebenenfalls Kühlelemente im Paket.
Welche Produkte brauchen ein Klima-Lager?
Kosmetik und Naturkosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, Lebensmittel mit Fett- oder Zuckeranteil wie Schokolade, Wein und Spirituosen, Vitamine und Probiotika, Kerzen, Klebstoffe, Farben und bestimmte Medizinprodukte. Faustregel: Steht auf dem Etikett eine Lagertemperatur oder „kühl und trocken lagern", ist ein normales Hallenlager mit Sommerspitzen über 30 °C ungeeignet.
Was kostet ein Klima-Lager im Fulfillment?
Klimatisierte Stellplätze liegen 2026 in Deutschland typischerweise 20 bis 50 % über dem Preis eines Standardstellplatzes, also eher bei 15 bis 30 € je Palettenstellplatz und Monat. Der Aufpreis deckt Klimatechnik, Energie und die laufende Temperaturdokumentation ab.

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